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11. April 2026

Osterbotschaft des Patriarchen KIRILL von Moskau und der ganzen Rus

An die Erzpastoren, Pastoren, Diakone, Mönche und Nonnen und an alle gläubigen Kinder der Russischen Orthodoxen Kirche

Im Herrn geliebte Erzpastoren, ehrwürdige Priester und Diakone, gottliebende Mönche und Nonnen, liebe Brüder und Schwestern!

 

Die menschliche Sprache besitzt in ihrem ganzen Reichtum und ihrer Vielfalt keine Worte, die freudiger und vom Herzen des Gläubigen sehnlicher erwartet wären als dieses erstaunliche Zeugnis vom Sieg des Lebens über den Tod und des Guten über das Böse.

„Christus ist auferstanden!“ Diese frohe Botschaft bündelt die ganze verborgene Kraft der Hoffnung und des unermesslichen Glaubens, von denen die Menschen lebten, nachdem sie aus dem Paradies vertrieben worden waren. Sie lebten von der Erwartung der Vergebung, der Versöhnung, der Befreiung, doch der Herr hat ihnen unvergleichlich mehr gegeben, denn in Seiner Liebe hatte Er für uns etwas Besseres vorgesehen (Hebr 11,40).

Der Sohn Gottes ist in die Welt gekommen und Mensch geworden, Er hat mit uns die Last des irdischen Daseins geteilt und den Kelch der Leiden bis zur Neige getrunken, darunter den bittersten von allen, den Kelch des Todes. Als Mann der Schmerzen, mit Krankheit vertraut (Jes 53,3) nahm Er unsere Sünden auf Sich und stieg freiwillig auf das Kreuz.

Doch konnte der Tod den Schöpfer des Lebens festhalten? Konnten die unersättlichen Abgründe der Hölle den verschlingen, durch dessen Wort „ alles geworden ist “ und ohne den nichts geworden ist (Joh 1,3)? „ Die Herrlichkeit Gottes ist dem Weltall offenbar geworden und hat die Hölle erleuchtet. Der Tod ist vernichtet, die Tore der Hölle sind zerbrochen, alle Geschöpfe, die in der Finsternis lagen, sind von Licht überflutet “, ruft mit Schwung der heilige Ephräm der Syrer aus und preist den Sieg des Erlösers über den Tod („Jesus ist das Licht der Welt“).

Hat man je gehört, dass der Tod eine seiner Beuten zurückgegeben hätte? Wenn er sie zurückgab, dann nur, um sie später umso sicherer wieder zu nehmen. Aber Christus, von den Toten auferweckt, stirbt nicht mehr; der Tod hat keine Macht mehr über ihn “ (Röm 6,9)! Er, der Erstgeborene von den Toten (1 Kor 15,20), geht uns auf diesem Weg voran: „ Als Erstling Christus, danach die, die zu Christus gehören, bei seiner Ankunft “ (1 Kor 15,23).

Gott, der durch Seine Menschwerdung die menschliche Natur erneuert und von den Wunden der Sünde geheilt hat, führt uns durch Seine Auferstehung auf noch bessere Weiden. Er gibt den Menschen nicht nur zurück, was sie verloren hatten, indem Er ihnen Vergebung und Versöhnung mit Sich gewährt, sondern Er bestimmt uns dazu, „ seine Kinder zu sein durch Jesus Christus “ (Eph 1,5) und „ allen, die an seinen Namen glauben, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden “ (Joh 1,12) und Götter durch Gnade.

Während sich die blühende Natur im Frühling verwandelt, breitet sich die erstaunliche Nachricht vom Heil einmal mehr über die Welt aus: „ Ihr sucht Jesus von Nazaret, den Gekreuzigten; er ist auferstanden, er ist nicht hier “ (Mk 16,6). Das Grab ist leer! Er ist auferstanden, wie er gesagt hat (Mt 28,6)!

Das Pascha Christi ist die unerschöpfliche Quelle unserer Freude, einer unermesslichen Freude, die aus der Liebe Gottes zu den Menschen erwächst, welche alles Begreifen übersteigt und durch die uns die sichtbaren und die unsichtbaren Güter offenbart werden. Die unermessliche Kraft dieser opferbereiten Liebe reicht so weit, dass sie die Hölle besiegt, das Paradies öffnet, Vergebung und wahre geistliche Freiheit schenkt.

„Stark wie der Tod ist die Liebe“ (Hld 8,6), sagte der an Weisheit reiche König Salomo. Wir aber, die Jünger Christi, bezeugen mit Überzeugung, dass die Liebe stärker ist als der Tod. Sie überschreitet Zeit und Raum, sie stürzt die Sünde und die Macht der Finsternis. Der allbarmherzige Herr ruft uns in das Reich der Liebe, in das man nicht eintreten kann, ohne sie im Herzen zu tragen. Lasst uns einander vergeben, die Fesseln des Grolls und der gegenseitigen Enttäuschungen abwerfen, uns versöhnen und umarmen. Seien wir barmherzig gegenüber den Notleidenden und trösten wir die Betrübten.

Von Christus erleuchtet, treten wir in die wunderbare Feier des Pascha ein, verwandeln wir die Welt um uns durch das ungeschaffene Licht der Auferstehung, führen wir sie in die Freude des Heils ein, die das ganze Universum erwartet, voll Sehnsucht, an der Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes teilzuhaben (Röm 8,21). Unser in Einheit mit dem Herrn gelebtes Leben wird dann zu einer echten Liturgie, einer Liturgie von wahrhaft kosmischer Weite, in der jedes Geschöpf dem Schöpfer Dank und Ehre darbringen kann und ausruft: „ Ehre Deiner Auferstehung, o Christus! Ehre Deiner Königs herrschaft ! Ehre Deinem Heilswerk, menschenliebender Herr “ (Sonntagstroparion, 1. Ton).

In dieser Welt, in der es vielfältige geistliche Suchen gibt, ist nur einer Weg, Wahrheit und Leben (Joh 14,6). Nur einer ist Sieger über Sünde und Tod. Nur einer öffnet die Himmel. Sein Name ist Jesus Christus, und in keinem anderen ist das Heil (Apg 4,12).

Indem ich Ihnen allen ein gesegnetes Osterfest wünsche, verkünde ich noch einmal dieses lebenspendende und für die Jahrhunderte ermutigende Zeugnis:

 

WAHRHAFTIG, CHRISTUS IST AUFERSTANDEN!

PATRIARCH VON MOSKAU UND DER GANZEN RUS

Ostern

2026