Nicht als Besitzer der Wahrheit leben, sondern als Gottsuchende. Das ist der Aufruf von Metropolit Georges Khodr vom Libanongebirge, der aus seiner Erfahrung heraus für den religiösen Pluralismus in einer offenen Gesellschaft eintritt.
Dasselbe Land zu teilen, unter Achtung der Überzeugungen eines jeden – ist das zur Utopie geworden? Der Nahe Osten mit seinen Brüchen ließe dies glauben. Georges Khodr, der sein orthodoxes Christentum im Herzen eines zerrissenen Libanon lebt, setzt sich dennoch weiter für das Entstehen einer befriedeten Vielfalt ein.
Dem identitären Verständnis der Religion und der Versuchung einer mächtigen Kirche stellt er die Vision demütiger Gemeinschaften entgegen, die offen sind für das Leid des Nächsten. Diese Offenheit lebt der Metropolit insbesondere in seinem Verständnis der Muslime, indem er dazu einlädt, ohne Vorurteile die Berührungspunkte zwischen Christentum und Islam zu entdecken.
Die hier versammelten Texte, die im Lauf der Jahre und je nach den Umständen geschrieben wurden, rufen zur inneren Erneuerung durch eine immer echtere Begegnung mit dem Gott der Liebe auf. Denn nur eine solche göttliche Liebe kann zum Sauerteig der wahren Kirche werden und ihren Gliedern die Mittel geben, in einer pluralen Gesellschaft zu wirken, um sie mit dem Frieden zu besäen, der von oben kommt.
Ausgabe besorgt von Olga Lossky
Der heute hundertjährige Metropolit Georges Khodr ist eine bedeutende Persönlichkeit im Libanon und darüber hinaus. Als Gründer der Orthodoxen Jugendbewegung (MJO) und Bischof vom Libanongebirge hat er sich im Dialog mit dem Islam engagiert. Als anerkannter Theologe und Autor zahlreicher Werke auf Arabisch hat er insbesondere Et si je disais les chemins de l’enfance und L’appel de l’Esprit bei den Éditions du Cerf veröffentlicht.
